Eine Tankstelle bei Nacht im Winter mit beleuchteter Preisanzeige an der Straße.

Tanken: Wann sich der Umweg zur günstigeren Tankstelle lohnt

Von der Redaktion Dorfevents

0,74 Euro Vorteil bleiben in unserem ausdrücklich hypothetischen Beispiel von zunächst 2 Euro Tankersparnis übrig: Wer für 40 Liter einen zusätzlichen Gesamtweg von 10 Kilometern fährt, verbraucht dabei selbst Kraftstoff. Für das Haushaltsbudget zählt deshalb die Ersparnis nach Abzug dieser Fahrkosten. Zeitaufwand und weitere Fahrzeugkosten sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Alle Zahlen dieses Beispiels sind Rechenannahmen, keine aktuellen oder amtlichen Preisangaben. Die Rechnung zeigt, wie Sie einen Tankumweg für Benzin oder Diesel selbst beurteilen können. Entscheidend sind Ihre geplante Tankmenge, der Preisunterschied für dieselbe Kraftstoffsorte und die tatsächlich zusätzlich gefahrene Strecke.

Die Grundformel: Tankersparnis minus zusätzliche Kraftstoffkosten

Ein günstigerer Literpreis bringt zunächst einen Vorteil beim Einkauf. Diesen berechnen Sie, indem Sie die geplante Tankmenge mit dem Preisunterschied multiplizieren. Anschließend ziehen Sie die Kraftstoffkosten ab, die ausschließlich durch den Umweg entstehen.

Die Grundformel lautet:

Rechnerischer Vorteil = Tankmenge × Preisunterschied − zusätzliche Kraftstoffkosten

Die zusätzlichen Kraftstoffkosten ergeben sich aus:

Zusätzlicher Gesamtweg ÷ 100 × Verbrauch je 100 Kilometer × angenommener Kraftstoffpreis.

Setzen Sie die Tankmenge in Litern, den Preisunterschied in Euro je Liter und die Strecke in Kilometern ein. Steht der Unterschied in Cent da, müssen Sie ihn zunächst in Euro umrechnen. Im hypothetischen Beispiel entsprechen 5 Cent genau 0,05 Euro.

Ein positives Ergebnis bedeutet, dass nach dieser vereinfachten Rechnung ein Kraftstoffkostenvorteil bleibt. Es bedeutet noch nicht, dass der Ausflug insgesamt wirtschaftlich sinnvoll ist. Zusätzlicher Verschleiß, mögliche Wartezeiten und der persönliche Wert Ihrer Zeit können den kleinen Vorteil aufwiegen.

Durchgerechnetes Beispiel: Aus 2 Euro werden 0,74 Euro

Angenommen, Sie möchten 40 Liter tanken. Eine andere Tankstelle verlangt für dieselbe Kraftstoffsorte hypothetisch 0,05 Euro je Liter weniger. Dafür müssen Sie insgesamt 10 Kilometer zusätzlich fahren. Für das Fahrzeug nehmen wir einen Verbrauch von 7 Litern je 100 Kilometer an.

Auch der zur Bewertung des zusätzlich verbrauchten Kraftstoffs angesetzte Preis von 1,80 Euro je Liter ist ausschließlich eine Rechenannahme. Er beschreibt weder einen aktuellen Marktpreis noch einen vom Bundeskartellamt veröffentlichten Wert.

Die Berechnung erfolgt in vier Schritten:

  1. Ersparnis beim Tanken: 40 Liter × 0,05 Euro je Liter = 2,00 Euro.
  2. Zusätzlicher Verbrauch: 10 Kilometer ÷ 100 × 7 Liter = 0,7 Liter.
  3. Zusätzliche Kraftstoffkosten: 0,7 Liter × 1,80 Euro je Liter = 1,26 Euro.
  4. Verbleibender Vorteil: 2,00 Euro − 1,26 Euro = 0,74 Euro.

Die Werte sind vollständig hypothetisch. Das Ergebnis zeigt vor allem, warum der Blick auf die Preisdifferenz allein zu kurz greift: Ein erheblicher Teil der angenommenen Ersparnis wird durch die zusätzliche Fahrt verbraucht. 0,74 Euro vor Zeitaufwand und weiteren Fahrzeugkosten sind der relevante Vergleichswert.

Liegt die günstigere Tankstelle dagegen ohnehin auf Ihrer geplanten Strecke, können die zusätzlichen Fahrkosten deutlich geringer ausfallen. Dafür müssen Sie die Rechnung mit dem tatsächlichen Mehrweg wiederholen. Die Entfernung zwischen Wohnung und Tankstelle allein sagt darüber wenig aus.

Warum der zusätzliche Gesamtweg entscheidend ist

Für die Rechnung brauchen Sie die Differenz zwischen zwei vollständigen Fahrwegen: Ihrer Fahrt mit der sonst gewählten Tankstelle und Ihrer Fahrt mit der günstigeren Alternative. Nur die zusätzlich gefahrenen Kilometer gehören in die Umwegkosten.

Bei einer gesonderten Tankfahrt berücksichtigen Sie die gesamte zusätzliche Strecke einschließlich Rückweg. Wenn Sie auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkauf tanken, vergleichen Sie hingegen beide Routen bis zum gleichen Ziel. Eine Tankstelle kann weiter entfernt sein und trotzdem fast ohne Mehrweg erreichbar sein.

Achten Sie auch auf die Zufahrt. Eine vermeintlich nahe Tankstelle kann wegen einer getrennten Fahrbahn, einer erforderlichen Wendeschleife oder einer ungünstigen Ausfahrt zusätzliche Kilometer verursachen. Maßgeblich ist die befahrbare Route, die Sie tatsächlich nutzen würden.

Der angenommene Verbrauch sollte zu dieser Fahrt passen. Ihr langfristiger Durchschnitt ist ein brauchbarer Ausgangspunkt, muss den Verbrauch auf einer kurzen Strecke mit Stopps aber nicht genau treffen. Je kleiner der errechnete Vorteil ausfällt, desto stärker können solche Abweichungen die Entscheidung beeinflussen.

Eigene Werte einsetzen: Diese Angaben brauchen Sie

Mit vier Angaben können Sie den Tankumweg überschlagen. Verwenden Sie dabei möglichst passende Werte für Ihr Fahrzeug und Ihre konkrete Fahrt:

  • Die Tankmenge, die Sie tatsächlich kaufen möchten.
  • Den Preisunterschied zwischen den Tankstellen für dieselbe Kraftstoffsorte.
  • Den zusätzlichen Gesamtweg gegenüber Ihrer sonst geplanten Route.
  • Den angenommenen Verbrauch und Kraftstoffpreis zur Bewertung der zusätzlichen Fahrt.

Vergleichen Sie dieselbe Sorte: Ein Preis für eine andere Benzinsorte oder für Diesel beantwortet die Frage nach Ihrer Ersparnis nicht. Prüfen Sie außerdem, auf welchen Zeitpunkt sich die angezeigten Preise beziehen. Die Rechnung gilt nur für den Preisunterschied, den Sie tatsächlich vorfinden.

Setzen Sie als Tankmenge nicht automatisch das gesamte Tankvolumen Ihres Autos ein. Wenn Sie weniger nachfüllen möchten, fällt auch die mögliche Ersparnis kleiner aus. Zusätzlicher Kraftstoffkauf erhöht zwar den rechnerischen Preisvorteil, bindet aber zugleich mehr Geld beim Tankvorgang.

Die vereinfachte Formel lässt sich auf dem Smartphone oder mit einem Taschenrechner nutzen. Entscheidend ist, Einkaufsvorteil und Umwegkosten getrennt auszurechnen. So erkennen Sie sofort, welcher Teil der anfänglichen Ersparnis nach der Fahrt noch übrig bleibt.

Ab welchem Preisunterschied deckt der Umweg seine Kraftstoffkosten?

Sie können die Rechnung auch umdrehen. Teilen Sie die zusätzlichen Kraftstoffkosten durch die geplante Tankmenge. Das Ergebnis ist der Preisunterschied je Liter, den Sie mindestens benötigen, um allein den zusätzlichen Kraftstoffverbrauch auszugleichen.

Für unser hypothetisches Beispiel lautet die Rechnung: 1,26 Euro ÷ 40 Liter = 0,0315 Euro je Liter. Unter genau diesen Annahmen liegt die Schwelle damit bei 3,15 Cent je Liter. An dieser Schwelle bleibt noch keine Ersparnis für Zeit oder weitere Fahrzeugkosten.

Diese Schwelle ist keine allgemeine Empfehlung. Sie verändert sich mit der Tankmenge, dem Verbrauch, dem Mehrweg und dem angesetzten Kraftstoffpreis. Ein kleinerer Einkauf braucht bei unveränderten Umwegkosten einen größeren Preisunterschied, damit sich die zusätzliche Fahrt überhaupt auf Kraftstoffbasis trägt.

Preisvergleich nutzen und vor der Abfahrt nachrechnen

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe gehört zum Bundeskartellamt und dient der Transparenz des deutschen Kraftstoffmarkts. Dieser amtliche Hintergrund ist vom Rechenbeispiel zu unterscheiden: Die hier verwendeten Mengen, Preise und Verbrauchswerte sind Annahmen und keine amtlichen Preisangaben.

Aus der Rechnung lässt sich weder eine bundesweit beste Tankzeit noch eine Aussage über die Kraftstoffpreise an einem bestimmten Tag ableiten. Ihr persönlicher Vorteil hängt von der konkreten Alternative ab. Ein Preisvergleich liefert dafür eine Eingangsgröße; Strecke, Verbrauch und Tankmenge ergänzen die Entscheidung.

Prüfen Sie vor der nächsten Tankfahrt den Preisunterschied für Ihre Sorte, die geplante Nachfüllmenge und beide vollständigen Routen. Bleiben nach Abzug der zusätzlichen Kraftstoffkosten nur wenige Cent übrig, vergleichen Sie diesen Restbetrag mit dem nötigen Zeitaufwand. Liegt die günstigere Station ohnehin auf Ihrem Weg, rechnen Sie mit diesem geringeren Mehrweg erneut.

Quelle: Bundeskartellamt

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